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DER FILM/395: Berlin - 12 Monde Filmlounge - 8. Mond, Schwules Museum 11.08.-08.09.2018


12 Monde Filmlounge - 8. Mond

Geschichte_n der Zweiten Welle - Frauen- und Lesbenbewegung in Deutschland '70-'90

vom 11. August bis 8. September 2018


Im 8. Programm stellen wir vier Filme vor, die das gesellschaftliche Klima und die Situation von Frauen und Lesben in den 70er bis 90er Jahren in Deutschland beleuchten und deren Widerstand bezeugen. Während der sogenannten Zweiten Welle der Frauenbewegung formten Lesben entscheidende Initiativen für das gesellschaftliche Aufbegehren gegen repressive, patriarchale und sexistische Strukturen.

Rahmenprogramm:
Bewegte Geschichte_n:
Feministinnen der Zweiten Welle im Gespräch

Do.,23.8.2018, 19.00 Uhr

Wir zeigen kurze Ausschnitte aus den Filmen des 8. 12 Monde Programms und sprechen mit den Filmemacherinnen und Zeitzeuginnen über Politik und Identität, Erinnerungen und Impulse, Dokument und Phantasie.

Mit:

Katharina Oguntoye war eine Wegbegleiterin von Audre Lorde in Berlin und ist im Film A Litany for Survival zu sehen als Studentin Lordes. Sie ist Historikerin, Mitherausgeberin des wegweisenden Buches Farbe bekennen: Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte (1986), Gründungsmitglied von ADEFRA (Schwarze Frauen in Deutschland) und Mitgründerin und Leiterin des Joliba e.V.

Barbara Teufel erzählt ihre eigene Geschichte vom Leben in der Frauen-WG in Die Ritterinnen. Sie studierte an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) und an der französischen Filmhochschule La FÉMIS in Paris. Zwölf Jahre arbeitete sie als freie Regisseurin und Autorin in Berlin und Paris. Von 2007-2015 lehrte sie Spielfilmregie an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Seit 2016 arbeitet die Regisseurin und Autorin im aktiven Kernteam und im Vorstand von Pro Quote Regie/Pro Quote Film.

Marinka Körzendörfer ist Journalistin und Dokumentaristin und war seit 1984 aktives Mitglied der Lesbenbewegung der DDR, u.a. bei den "Gethsemane-Lesben", ist Mitbegründerin des Unabhängigen Frauenverbands (UFV), und wirkte n", ist Mitbegründerin des Unabhängigen Frauenverbands (UFV), und wirkte an vielen Dokumentationen über die DDR-Lesbenbewegung mit, u.a. an dem Film warum wir so gefährlich waren.

Monne Kühn war als Mitglied des Lesbischen Aktionszentrums (LAZ) am Film Zärtlichkeit und Rebellion beteiligt und ist Mitkuratorin der aktuellen Retrospektive im Schwulen Museum über das LAZ.

Moderation:
Vera Hofmann, Kuratorin der 12 Monde Filmlounge, Co-Kuratorin des Jahr der Frau_en, Künstlerin und Vorstandsmitglied des Schwulen Museums.

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Filme der 12 Monde Filmlounge:

Zärtlichkeit und Rebellion - zur Situation der homosexuellen Frau

(1973, 46 Min., D, dt.) von Eva Müthel

Als erster Beitrag im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen (ZDF) über Lesben und bisexuelle Frauen wurde diese Dokumentation u.a. beim überregionalen Pfingsttreffen unter Mitwirkung der Frauengruppe der Homosexuellen Aktion Westberlin (später LAZ, Lesbisches Aktionszentrum) gedreht. n Aktion Westberlin (später LAZ, Lesbisches Aktionszentrum) gedreht. Der Film gibt einen Einblick in das Klima der Zeit, in dem laut einer im Film vorgestellten repräsentativen Studie 34% der Bevölkerung konstatieren, lesbische Frauen seien ihnen zuwider und 71% der Befragten angeben, Lesben seien ihnen nicht sympathisch. Eine Welle des Protests in der Bevölkerung auslösend und umstritten bei den politisierten Lesben, führte er jedoch zur Erstarkung der Lesbenbewegung und ebnete den Weg für die Repräsentation von Lesben im Fernsehen.

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A Litany for Survival: the Life and Work of Audre Lorde

(1995, 80 Min., US, engl. mit dt. UT) von Ada G. Griffin und Michelle Parkerson

Die früheste Langspieldokumentation über Audre Lorde gibt einen umfassenden Einblick in das öffentliche und private Leben bis kurz vor ihrem Tod, in die Persönlichkeit und das Werk der Schwarzen, Lesbe, Feministin, Mutter, Poetin, Kriegerin. Der Film dokumentiert die Lebensumstände in den USA zu ihrer Lebzeit, die Lordes Blick auf die Lebensbedingungen marginalisierter Personen schärften. Ihre Texte und Reden prägen und inspirieren Frauen*- und Lesben-, Afro-amerikanische und Women* of Color-Bewegungen weltweit. Immer wieder forderte sie darin weiße Feministinnen zu gen weltweit. Immer wieder forderte sie darin weiße Feministinnen zu intersektionalem Denken und Handeln auf. In ihren langen Aufenthalten in West-Berlin, während derer sie sich u.a. einer alternativen Krebsbehandlung unterzog und als Gastprofessorin an der FU arbeitete, bestärkte sie die Frauen* der sich gerade formenden Afro-deutschen Community, ihre eigenen Stimmen zu finden.

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Die Ritterinnen

(2003, 96 Min., D, dt. mit engl. UT) von Barbara Teufel

Sieben Frauen einer WG in der Ritterstrasse in Kreuzberg werfen die Männer aus ihrer Etage und wollen am großen Rad drehen: IWF und Weltbank stürzen, Macht- und Kommunikationsmuster aushebeln, Privatheit, Arbeitsverhältnisse, Eigentum und Geschlechterverhältnisse in Frage stellen. Der aus sse, Eigentum und Geschlechterverhältnisse in Frage stellen. Der aus der eigenen Biografie heraus entstandene Hybrid aus Inszenierung, Archiv-und dokumentarischem Material zeichnet die Zeit um 1987-1992 nach: den 1. Mai ?87 und die von der Gruppe mitinitiierten Protestaktionen gegen den IWF und die Weltbank bis zu den nach dem Mauerfall folgenden Hausbesetzungen im Osten Berlins. Sehnsüchtig und selbstironisch verdichtet der Film das Lebensgefühl dieser Kreuzberger Szene der 80er Jahre: "links, radikal, anarchistisch, zornig, zärtlich, zauberhaft". Die Vorbereitungen politischer Protestaktionen vermischen sich mit persönlichen Geschichten und den Höhen und Tiefen des Alltagslebens in der WG. Die Originalbesetzung der WG kommt 10 Jahre später für den Film wieder zusammen. Das große Rad hatte sich weiter gedreht, statt des Patriarchats fiel die Mauer.

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warum wir so gefährlich waren

(2006, 50 Min., D, dt.) von Songül Bitis, Samira Mahmud, Colin Müller, Marie Schlingmann

Lesbisches Leben war in der DDR kaum sichtbar. Die Kirche bot damals die einzige Möglichkeit, sich zu organisieren und Öffentlichkeit zu erzeugen. Zwischen 1984 und 1986 versuchten Frauen der Ostberliner Gruppe Arbeitskreis Homosexuelle Selbsthilfe Berlin - Lesben in der Kirche (LiK) an mehreren Gedenkveranstaltungen im ehemaligen Frauenkonzentrationslager Ravensbrück teilzunehmen. Sie wollten an die Verfolgung lesbischer Frauen im Nationalsozialismus erinnern und erlebten dabei das Verschweigen lesbischer Existenzen durch den antifaschistischen Staat. Zwanzig Jahre später erinnern sich vier dieser Frauen an die Geschehnisse, Motive, an die harschen staatlichen Reaktionen und an die politische Arbeit in der Gruppe und gehen der Frage nach, warum Lesben für die SED eine solche Bedrohung darstellten.

12 Monde ist eine ganzjährig angelegte queerfeministische Filmreihe mit wechselndem Programm zu jedem Neumond. Die Filme laufen im täglichen Museumsbetrieb des Schwulen Museums in der Filmlounge auf einer Projektionsfläche und zwei Monitoren.

Gesamtkuration: Vera Hofmann
Projektassistenz: Felix Roadkill und Anina Falasca
Szenografie mit Carolin Gießner und Théo Demans

12 Monde ist Teil des Jahresprogramms Jahr der Frau_en - eine konzertierte queerfeministische Intervention. Das Jahr der Frau_en wird gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

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Quelle:
Pressemitteilung: "Jahr der Frau_en"
Schwules Museum
Lützowstraße 73, 10785 Berlin
Tel: 030 69 59 92 52
Fax: 030 61 20 22 89
Internet: www.schwulesmuseum.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 10. August 2018

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