Internationale Presseagentur Pressenza - Büro Berlin
Frieden in der Ukraine - Gebiete, Kostenfragen, dauerhafter Frieden!
von Günter Buhlke, 10. Oktober 2025
In der gegenwärtigen Phase schwankender Kampferfolge, des Drohneneinsatzes und der Beobachtung aus dem All spielen strategische Fragen weiterhin gleichwohl ihre Rolle, wie die Sicherheitsordnung auf dem Globus nach einer Friedensvereinbarung in der Ukraine aussehen sollte.
Nicht zu vergessen: Die Ukraine war vor nicht allzu langer Zeit ein bedeutender Teil der UdSSR, wirtschaftlich und militärisch. Sie hat sich bei der Umbildung der UdSSR zur GUS und zu geltenden Werten der Sowjetunion bekannt.
Die Geschichte vergangener Kriege kennt verschiedene Modelle für Friedensregelungen, abhängig von den Kriegszielen und Stärken der Siegermächte. Beispielsweise das Ende des Ersten und Zweiten Weltkrieges oder die Endphase des 40jährigen Kalten Krieges.
Erfahrungen aus der Geschichte haben einen hohen Erinnerungswert für die Gegenwart.
In der Endphase des Kalten Krieges führten Verhandlungen human eingestellter Frauen und Männer zu Abrüstungsvereinbarungen, Verbote von Rüstungstests führten zu den zeitweiligen Entspannungen zwischen den Systemen des Kapitalismus und Sozialismus.
Als hoher Erfahrungswert bleibt: Besser verhandeln als schießen. Es geht bei den Spannungen der Systeme um Humanität und Überlebensfähigkeit. Deutschland überfiel Polen und die UdSSR ohne vorherige Kriegserklärung oder Verhandlungen über Differenzen und Japan die USA (Pearl Harbor), gleichfalls ohne Kriegserklärung.
Es ist dringend an der Zeit, eine neue Konferenz mit Intentionen der KSZE vorzubereiten. Am besten unter der Federführung der UNO, um der aktuellen Gefahr eines Dritten Weltkrieges zu begegnen. Viele Länder sehen sich von der NATO mit ihren weltweiten Militärmanövern bedroht. Satelliten bewegen sich im Weltraum zunehmend als Instrumente kriegerischer Auseinandersetzungen.
Das Erbe des Kolonialismus führte und führt noch zu kriegerischen Auseinandersetzungen in Afrika und Asien nach 1945 (Kongo, Mali, Uganda, Sudan, Äthiopien sowie Indien, Pakistan, Malaysia, Kambodscha). Es geht um die Festlegung von Grenzen durch alte Kolonialmächte ohne Beachtung historischer Gebiete der Volksgruppen, um Rohstofflieferungen für die Mutterländer, um gerechte Aufteilung der Einnahme aus Steuern zugunsten aller Volksgruppen.
Es gibt Hoffnungszeichen. Die Präsidenten der USA und Russlands haben sich in Kanada getroffen. Trump hat mehrfach betont, den Kampf in der Ukraine beenden zu wollen. Experten der Kontrahenten treffen sich zu inoffiziellen Gesprächen. In Sotschi gab es gemäß den NachDenkSeiten Anfang Oktober dieses Jahres ein Treffen des Waldai-Klubs [1] zwischen Experten und russischen Politikern.
Es wird auch klar, dass weder die USA noch die EU ihre bisher an die Ukraine gelieferten Waffen oder logistischen Leistungen verschenken wollen. Die NATO betrachtet die Gelder als rückzahlpflichtig und verzinsbare Kredite, trotz markiger Worte der Unterstützung und Verteidigung der Demokratie. Die EU beabsichtigt, die eingefrorenen russischen Guthaben in Höhe von 185 Milliarden Euro (Quelle: junge Welt) zu verwenden. Geld und Beschlagnahme von Werten wurde bisher den Kommunisten angelastet.
Der Klimawandel und eine menschenwürdige Entwicklung in allen Staaten der Welt stellt in der Zukunft Anforderungen, die jegliche Vergeudung von Staatshaushaltsmitteln für die Rüstung ad Absurdum stellen.
Immanuel Kant wartet seit 1795 auf die Verwirklichung des ewigen Friedens.
Fußnote:
[1] Der internationale Diskussionsklub "Waldai" ist die Bezeichnung für ein seit 2004 jährlich im Herbst in Russland stattfindendes Treffen von Journalisten, Politikern, Experten/Wissenschaftlern und Personen des öffentlichen Lebens aus Russland und anderen Ländern.
https://de.wikipedia.org/wiki/Waldai-Klub
Günter Buhlke, geb. 1934
Studium an der Humboldtuniversität
und der Hochschule für Ökonomie Berlin. Dipl. Volkswirtschaftler.
Internationale Arbeit als Handelsrat in Mexiko und Venezuela. Koordinator
für die Wirtschaftsbeziehungen der DDR zu Lateinamerika.
Wirtschaftserfahrungen als langjähriger Leiter des Schweizerischen
Instituts für Betriebswirtschaft in Berlin, Vorstand einer
Wohnungsgenossenschaft und Referent im Haushaltsausschuss der Volkskammer
und des Bundestages. Gegenwärtig ehrenamtliche Tätigkeiten.
Der Text steht unter der Lizenz Creative Commons 4.0
http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
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Quelle:
Internationale Presseagentur Pressenza - Büro Berlin
Reto Thumiger
E-Mail: redaktion.berlin@pressenza.com
Internet: www.pressenza.com/de
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick zum 29. November 2025
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