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ORGANISATION/688: Neuer Report - Hungerkrise in Afghanistan verschärft sich mit Wintereinbruch (WFP)


Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen
Pressemitteilung vom 16. Dezember 2025

Neuer Report: Hungerkrise in Afghanistan verschärft sich mit Wintereinbruch


Kabul, Afghanistan - Mehr als 17 Millionen Menschen in Afghanistan sind in diesem Winter von akutem Hunger betroffen, Ausmaß und Schwere von Ernährungsunsicherheit und Mangelernährung nehmen weiter zu, warnt das UN-Welternährungsprogramm (WFP). Die neuesten Zahlen zur Ernährungssicherheit aus der aktuellen Integrated Food Security Phase Classification (IPC) für Afghanistan zeigen, dass drei Millionen mehr Frauen, Männer und Kinder von akuter Ernährungsunsicherheit oder Schlimmerem (IPC-Stufe 3+) betroffen sind - im Vergleich zu 14,8 Millionen im Vorjahr.

Auch die Unterernährung bei Kindern wird voraussichtlich steigen und im kommenden Jahr fast vier Millionen Kinder betreffen. Bereits jetzt liegt die Kinderunterernährung auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten. Gleichzeitig führen beispiellose Kürzungen bei der Finanzierung von Organisationen, die lebenswichtige Dienste bereitstellen, dazu, dass der Zugang zu Behandlung immer seltener wird. Unbehandelte Mangelernährung ist für Kinder lebensbedrohlich, und die Zahl der Todesfälle dürfte in den harten Wintermonaten, wenn Nahrungsmittel am knappsten sind, weiter steigen. Alle Indikatoren deuten auf eine brutale Wintersaison für die verletzlichsten Familien Afghanistans hin.

"WFP warnt seit Monaten vor den klaren Anzeichen einer sich verschärfenden humanitären Krise in Afghanistan, und die neuesten Daten bestätigen unsere schlimmsten Befürchtungen", sagte John Aylieff, WFP-Länderdirektor in Afghanistan. "Unsere Teams sehen Familien, die tagelang Mahlzeiten auslassen und zu extremen Überlebensmaßnahmen greifen. Die Zahl der Kinder, die sterben, steigt - und sie könnte in den kommenden Monaten noch weiter zunehmen."

Afghanistan steht vor einem harten und unerbittlichen Winter, während sich mehrere Krisen überlagern. Eine Dürre hat die Hälfte des Landes betroffen und Ernten zerstört. Arbeitsplatzverluste und eine geschwächte Wirtschaft haben Einkommen und Lebensgrundlagen ausgehöhlt. Jüngste Erdbeben haben Familien obdachlos gemacht und die humanitären Bedürfnisse auf ein neues Extremniveau gehoben.

Zwangsrückführungen aus Pakistan und Iran verschärfen die Lage zusätzlich: Seit Jahresbeginn wurden 2,5 Millionen Afghaninnen und Afghanen zurückgeschickt - viele von ihnen unterernährt und mittellos. Fast ebenso viele werden bis 2026 erwartet.

Während sich die Krise zuspitzt, schrumpft die humanitäre Hilfe für Afghanistan. Millionen Menschen bleiben ohne Unterstützung, die bislang schwere Hunger- und Mangelernährung eingedämmt hat.

"Wir müssen die Krise in Afghanistan wieder in die Schlagzeilen bringen, um den verletzlichsten Menschen die Aufmerksamkeit zu geben, die sie verdienen", fügte Aylieff hinzu. "Wir müssen an der Seite der Menschen in Afghanistan stehen, die auf lebenswichtige Hilfe angewiesen sind, und bewährte Lösungen einsetzen, um eine Erholung mit Hoffnung, Würde und Perspektiven zu ermöglichen."

Erstmals seit Jahrzehnten kann WFP keine umfassende Winterhilfe starten und gleichzeitig die Not- und Ernährungsunterstützung landesweit ausweiten. Mit sofortiger Finanzierung ist WFP bereit, eine großangelegte Winterhilfe einzuleiten - damit Familien Hunger abwehren und nicht noch tiefer in die Krise abrutschen.

WFP benötigt dringend 468 Millionen US-Dollar, um sechs Millionen der verletzlichsten Menschen in Afghanistan mit lebensrettender Nahrungsmittelhilfe zu versorgen - damit sie den harten Winter überstehen.

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Quelle:
Pressemitteilung vom 16. Dezember 2025
Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen
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veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 19. Dezember 2025

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