World Wide Fund For Nature
WWF Pressemitteilung - 6. November 2025
Schlupfloch im Meeresboden
Novelle des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes bringt Deutschland nicht auf den Pfad der Klimaneutralität und vernachlässigt den Meeresschutz
Der Bundestag hat heute die Novelle des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes (KSpG) beschlossen. Die Bundesregierung will damit die CO2-Speicherung im Boden und vor allem unter dem Meer ermöglichen und den Aufbau eines CO2-Pipelinenetzes vorantreiben. Der WWF kritisiert, dass das Gesetz weder Gaskraftwerke von der CO2-Entsorgung ausnimmt noch die deutschen Meeresschutzgebiete vollständig vor Eingriffen bewahrt. Die CO2-Abscheidung- und Speicherung wird durch die Novelle nicht im notwendigen Maß reguliert, sondern schafft eine Grundlage, um fossile Energien weiterhin künstlich am Leben zu erhalten.
"Anstatt nur solche Industriezweige für CCS zuzulassen, deren Emissionen wie in der Zement- oder Kalkindustrie aktuell nicht vermeidbar sind, wird auch der Gasindustrie dieser Entsorgungsweg eröffnet. Emissionen aus dem Energiesektor können vermieden werden und haben im Meeresboden nichts zu suchen. Damit schafft die Novelle eine gefährliche Ausrede, um weiter an fossilem Gas festzuhalten", sagt Karoline Schacht, Expertin für Meeresschutz beim WWF Deutschland.
Das verabschiedete neue KSpG nimmt Meeresschutzgebiete von der Verpressung des CO2 aus. Um sie aber wirklich unangetastet zu lassen, müsste auch das Verlegen von CO2-Pipelines durch die Schutzgebiete unterbunden werden. Nach Ansicht des WWF verursachen solche baulichen Eingriffe massive Störungen in den Schutzgebieten und unterlaufen ihren Schutzzweck, der auch die bodennahen Lebensräume betrifft.
"Mit dem Kohlendioxid-Speicherungsgesetz intensiviert die Bundesregierung die Industrialisierung der Meere. Der Pipelinebau und die Installation von Injektionsplattformen bedeuten massive Eingriffe in das Ökosystem von Nord-und Ostsee. Deren schlechter Zustand erfordert eigentlich eine drastische Aufwertung des Meeresschutzes, das KSpG gefährdet jedoch die wichtige Rolle der Meere als Klimaschützer und Lebenspender - entgegen der Ambition des Koalitionsvertrages. Überdies schafft sich Deutschland mit dem Speicherungsgesetz eine herausfordernde Situation für die maritime Sicherheit vor unserer Küste", so Karoline Schacht.
In den Abendstunden wird außerdem erstmals im Bundestag darüber
diskutiert, ob die Förderung von Öl- und Gas in Meeresschutzgebieten
der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) ausgeschlossen werden soll.
Grundsätzlich begrüßt der WWF diesen Vorstoß, da Schutzgebiete ihrem
Zweck nur gerecht werden können, wenn wirtschaftliche Nutzungen
weitestmöglich reduziert werden. Die Umweltorganisation mahnt jedoch
an, die Chance zu nutzen und auch den Sand- und Kiesabbau zu
unterbinden. "Mit dem Ausschluss weiterer Nutzungen würde Deutschland
der Umsetzung der europäischen Biodiversitätsstrategie hin zu
mindestens 10 Prozent strengem Schutz in Nord- und Ostsee und den
eigenen hohen Ansprüchen in deren Schutz näherkommen", erklärt
Karoline Schacht.
Hintergrund:
Allein durch die Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) für
aktuell nicht-vermeidbare Emissionen in ausgewählten Industriezweigen
bräuchte es etwa 2000 Kilometer neue Pipelines im Meer - in Länge
entspräche das in etwa beider Nord Stream-Pipelines. Das ergab eine
CO2-Infrastrukturanalyse von WWF und Öko-Institut.
https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Meere/Oekoinstitut-Analyse-zur-CCS.pdf
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Quelle:
WWF Pressemitteilung, 06.11.2025
Herausgeber: WWF Deutschland
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Tel.: 030 311 777 - 0, Fax: 030 311 777 - 603
E-Mail: info@wwf.de
Internet: www.wwf.de
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 7. November 2025
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