Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL - 15.11.2025 11:10
Schalter für feuergünstige Bedingungen umgelegt
Trockenheit und geringe Luftfeuchtigkeit sind die wichtigsten Auslöser von Waldbränden. Die Temperatur für sich spielt eine untergeordnete Rolle. Fehlender Schnee und Wind begünstigen Waldbrände im Winter.
"Günstige Bedingungen für Waldbrände nehmen in ganz Europa an
Häufigkeit und Intensität zu, auch in den Alpen", sagt Julia Miller,
Expertin für Waldbrände am SLF. Sie hat für europaweit knapp 90'000
Feuer aus den Jahren 2001 bis 2020 untersucht , was diese begünstigt
hat. Dabei hat sie unterschiedliche meteorologische Faktoren gefunden,
abhängig von Jahreszeit und Region: "Die meisten dieser
Wetterbedingungen sind in Bergregionen stärker ausgeprägt als in
Nicht-Bergregionen."
Herausgekommen ist unter anderem eine Methode, die künftig die
Vorhersage von Waldbränden verbessern kann. Miller bestimmt damit den
Zeitpunkt, ab dem sich das Wetter von der üblichen, saisonalen Lage
unterscheidet. "So zeigen wir, wie lange verschiedene Waldbrandtreiber
schon ausserhalb der Norm sind, bevor es zu einem Feuer kommt", sagt
die Wissenschafterin. Auf dieser Basis ist es möglich, die
Gefahrenlage frühzeitig besser einzuschätzen.
Millers Ergebnisse zeigen, dass vor allem lange trockene Perioden
sowie Zeiten mit einer geringen Luftfeuchtigkeit die Brände
begünstigen. Überrascht hat sie, dass hohe Temperaturen lediglich eine
untergeordnete Rolle spielen. "Eigentlich heisst es immer, es müsse
heiss sein, aber das ist oft nicht der Fall", erklärt die Forscherin.
Im Frühjahr und Winter hat sie zudem einen direkten Zusammenhang mit
der Schneelage ausgemacht. Lang anhaltende Dürreperioden führen in
Nordeuropa, Osteuropa und den Alpen zu einer niedrigen Schneedecke.
Kombiniert mit starkem Wind bilden sich schneefreie Flächen. Die
Vegetation darauf ist zu dieser Jahreszeit trocken und leicht
entflammbar. Dadurch können sich Waldbrände schnell ausbreiten, wie
beispielsweise im April 2024 am Stilfser Joch in Italien. "An Tagen,
an denen im Winter solche Brände ausgebrochen sind, war die Schneehöhe
besonders niedrig", hat Miller beobachtet.
Der Ansatz, die Lage europaweit zu untersuchen, ist dringend
erforderlich. Bislang lag der Schwerpunkt auf den stark von
Waldbränden betroffenen Gebieten in Südeuropa. Die jüngsten schweren
Waldbrandsaisons, vor allem im Jahr 2022, fielen jedoch mit starken
Dürren in Mittel- und Nordeuropa zusammen. "Das deutet darauf hin,
dass der Schalter für feuergünstige Bedingungen in bisher wegen
Feuchtigkeit weniger betroffenen Regionen umgelegt wurde", sagt
Miller.
Für ihre Analyse hat sie auf Satellitendaten zurückgegriffen. Diese
erkennen Hitzepunkte aus dem All. In Kombination mit Informationen zum
Gelände ist klar, ob dort ein Wald, ein Feld, ein Gebäude oder etwas
anderes brennt. Für den Starttag von Waldbränden hat sie die dort
herrschenden, meteorologischen Bedingungen und den Zustand von Boden,
Vegetation und - so vorhanden - Schneedecke bestimmt. Insgesamt sieben
Kennzahlen wie Windgeschwindigkeit, Bodenfeuchte und Temperatur hat
sie so für acht europäische Klimaregionen und Gebirgszüge analysiert.
"Wir vergleichen den Zustand dieser Variablen am Starttag von
Waldbränden mit dem Zustand an Tagen, an denen keine Waldbrände
auftreten", beschreibt die Klimawissenschafterin ihre Vorgehensweise.
Auch die vier Jahreszeiten flossen in die Studie ein.
Miller empfiehlt, Feuerwehren besser auszustatten wie beispielsweise
im Tessin und die Menschen in den betroffenen Regionen früher über
drohende Gefahren zu informieren. Sie fordert langfristige Strategien
zum Schutz von Mensch, Natur und Klima - und Informationskampagnen:
"Im Sommer ist das Bewusstsein für Waldbrände und die Vorsorge im
Allgemeinen hoch." Im Winter sei das anders. Daher brauche es dringend
mehr Aufklärung: "Denn im Zuge des voranschreitenden Klimawandels sind
Wälder, Tiere und Menschen europaweit zunehmend gefährdet."
Originalpublikation:
https://www.nature.com/articles/s43247-025-02955-1 zur Studie
Weitere Informationen:
zur Pressemitteilung
https://www.slf.ch/de/news/schalter-fuer-feuerguenstige-bedingungen-umgelegt/
Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung:
https://idw-online.de/de/institution799
Homepage:
http://www.slf.ch
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Quelle:
Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw - Pressemitteilung
Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL -
15.11.2025 11:10
WWW: http://idw-online.de
E-Mail: service@idw-online.de
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 19. Dezember 2025
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