Deutsche Stiftung Meeresschutz (DSM) / Pressemitteilung
Gemeinsam gegen Tiefseefischerei: EU muss sensible Lebensräume schützen
Veröffentlicht am 5. November 2025 von Redaktion DSM
"Die Europäische Union muss beim Schutz empfindlicher Tiefseeökosysteme vor der industriellen Fischerei mit gutem Beispiel vorangehen." Das fordern 33 europäische Meeresschutzorganisationen in einem heute veröffentlichten offenen Brief an die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, und den Kommissar für Fischerei und Ozeane, Costas Kadis. Hintergrund ist der Versuch der spanischen Fischereiindustrie, das von der EU verhängte Verbot für bodenberührende Tiefseefischerei in 87 vulnerablen marinen Ökosystemen (Vulnerable Marine Ecosystems/VMEs) aufzuheben.
In einem offenen Brief an die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, und den Kommissar für Fischerei und Ozeane, Costas Kadis, fordern 33 Meeresschutzorganisationen den besseren Schutz gefährdeter EU-Tiefseeökosysteme (VMEs).
In einem offenen Brief fordern wir als eine von 33 europäischen Meeresschutzorganisationen den besseren Schutz gefährdeter EU-Tiefseeökosysteme (VMEs) vor der Zerstörung durch die industrielle Tiefseefischerei.
→ Lesen Sie den Brief [1]
Die spanische Fischereiindustrie ging bis vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH), um das EU-Verbot für die bodenberührende Tiefseefischerei in 87 vulnerablen marinen Ökosystemen aufzuheben. Angeblich habe man wirtschaftliche Einbußen erlitten. Belastbare Nachweise dafür wurden jedoch nicht vorgelegt.(1)
In einem offenen Brief an die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, und den Kommissar für Fischerei und Ozeane, Costas Kadis, fordern 33 Meeresschutzorganisationen den besseren Schutz gefährdeter EU-Tiefseeökosysteme.
In seinem Urteil vom 11. Juni 2025 bestätigte der Europäische Gerichtshof unmissverständlich die Rechtmäßigkeit der Fischereiverbote.(2)
Dennoch erhalten die spanischen Fischer Unterstützung von EU-Parlamentariern aus Spanien, Portugal, Frankreich und den Niederlanden, die das EuGH-Urteil ignorieren.
Vulnerable marine Ökosysteme sind Biodiversitäts-Hotspots Im Visier haben die Fischer 87 artenreiche Tiefsee-Lebensräume in EU-Gewässern (Seeberge, Kaltwasser-Korallenriffe, Schwammriffe), sogenannte VMEs (Vulnerable Marine Ecosystems oder vulnerable marine Ökosysteme).
Die Gebiete sind seit September 2022 durch die EU-Verordnung (EU 2016/2336) für die Tiefseefischerei gesperrt [2]. Wissenschaftler und Meeresschützer halten VMEs für nicht befischbar, da sie fischereilicher Nutzung nicht lange standhalten und viele tausend Jahre benötigen, um sich zu regenerieren.
"Die betroffenen vulnerablen marinen Ökosysteme gehören zu den empfindlichsten und am wenigsten widerstandsfähigen Lebensräumen der Erde. Die Wiedereröffnung der VMEs für die Tiefseefischerei unter dem Druck der Fischereiindustrie würde irreparable Schäden riskieren und die Glaubwürdigkeit der EU beim Schutz der Ozeane unterminieren", sagt der Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.
So ist der Beifang von Tiefseehaien [3], die in den VMEs leben und auf sie zur Fortpflanzung angewiesen sind, bei der Tiefsee-Langleinenfischerei um den Faktor 6 höher als bei Schleppnetzen.
Die EU-Verordnung (EU) 2016/23363 (3) gilt als Meilenstein für den Schutz von vulnerablen marinen Ökosystemen (VMEs). Denn durch sie ist seit September 2022 die bodenberührende Tiefsee-Fischerei (Schleppnetze, Langleinen, Stellnetze, Reusen und Fallen) in 87 VMEs in EU-Gewässern ab 400 m Tiefe verboten.
Die betroffenen Tiefseeökosysteme befinden sich in der Nähe der Atlantikküsten Frankreichs, Irlands, Portugals und Spaniens. Insgesamt umfassen sie jedoch nur 16.419 km2 oder gerade einmal 1,16 Prozent der EU-Gewässer im Nordostatlantik.
Die Schließungen der VMEs für die Tiefseefischerei beruhen auf den besten verfügbaren wissenschaftlichen Gutachten des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES).(4)
Bildunterschriften von im Schattenblick nicht veröffentlichten
Abbildungen der Originalpublikation:
• Kaltwasserkorallen bilden ein vulnerables marines Ökosystem.
Bunte Kaltwasserkorallen, © JAGO-Team GEOMAR (CC BY 4.0)
• Seeberge vor der amerikanischen Küste bei Neuengland. Diese
vulnerablen marinen Ökosysteme (VMEs) bilden ein Super-Ökosystem mit
Sprungbrettern für Tiefseearten. Aufgenommen mit einem
"EM 304 MK II"-Tiefsee-Mehrstrahl-Echolot. Mit freundlicher
Genehmigung von NOAA Ocean Exploration, 2021 North Atlantic Stepping
Stones: New England und Corner Rise Seamounts.
Anmerkungen
(1) Vulnerable Marine Ecosystems (VMEs), Socio-economic impact
assessment (STECF-24-09)
https://op.europa.eu/de/publication-detail/-/publication/dd96b2ad-6784-11f0-bf4e-01aa75ed71a1
(2) Am 11. Juni 2025 bestätigte der Europäische Gerichtshof (EuGH) die
Rechtmäßigkeit der EU-Verordnung (EU) 2016/2336 zur Schließung von
besonders empfindlichen Meeresökosystemen (VMEs/Vulnerable Marine
Ecosystems).
https://curia.europa.eu/jcms/upload/docs/application/pdf/2025-06/cp250067en.pdf
(3) Verordnung (EU) 2016/2336 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 14. Dezember 2016 mit besonderen Auflagen für die Befischung
von Tiefseebeständen im Nordostatlantik und Vorschriften für den
Fischfang in internationalen Gewässern des Nordostatlantiks und zur
Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 2347/2002 des Rates
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32016R2336
(4) Vulnerable Marine Ecosystems (VMEs). ICES, Copenhagen, Denmark
https://www.ices.dk/data/data-portals/Pages/vulnerable-marine-ecosystems.aspx
[1] https://www.stiftung-meeresschutz.org/wp-content/uploads/pdf/open-letter-to-president-ursula-von-der-leyen_vme-closures.pdf
[2] https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/fischerei/grundschleppnetze/#vme
[3] https://www.stiftung-meeresschutz.org/meerestiere/seltener-fang-eine-weisse-gefleckte-meersau/
Weiterführende Informationen
VME Datenbank der FAO (Food and Agriculture Organization of the United
Nations)
https://www.fao.org/in-action/vulnerable-marine-ecosystems/en/
Initiative für ein Meeresschutzgebiet vor Stoupa auf dem Peloponnes
https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/schutzgebiete/griechische-regierung-soll-die-bucht-von-stoupa-auf-dem-peloponnes-unter-schutz-stellen-fischer-fordern-fangverbot/
Viel heiße Luft auf der UN-Ozeankonferenz UNOC-3 in Nizza
https://www.stiftung-meeresschutz.org/presse/un-ozeankonferenz-unoc-3-in-nizza/
Welttag der Ozeane
https://www.stiftung-meeresschutz.org/presse/welttag-der-meere/
BBNJ-Abkommen zum Schutz der Hohen See
https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/schutzgebiete/un-vertrag-zum-schutz-der-hohen-see-bbnj-abkommen/
Meeresschutzgebiete, Rettungsinseln für die Artenvielfalt im Ozean
https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/schutzgebiete/uebersicht-meeresschutzgebiete/
Die Doggerbank soll weniger leiden
http://xn--die%20zerstrung%20der%20doggerbank-lnd/
Problemzone industrielle Fischerei
https://www.stiftung-meeresschutz.org/problemzone-industrielle-fischerei/
Schwarze Degenfische
https://www.stiftung-meeresschutz.org/meerestiere/schwarzer-degenfisch/
Die Tiefsee
https://www.stiftung-meeresschutz.org/tiefseebergbau/
Veröffentlicht unter Artenschutz, Industrielle Fischerei, Presse
Originalartikel mit Bildern:
https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/fischerei/spanische-fischer-fordern-aufhebung-des-eu-verbots-fuer-tiefseefischerei-in-vulnerablen-marinen-oekosystemen
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Quelle:
Pressemitteilung - 5. November 2025
Deutsche Stiftung Meeresschutz (DSM)
41460 Neuss
E-Mail: info[AT]stiftung-meeresschutz.org
Internet: https://www.stiftung-meeresschutz.org
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 7. November 2025
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